Was ist eine Aortenklappenstenose, und wie wird sie behandelt?

Die degenerative Aortenklappenstenose ist eine durch Verkalkung bedingte Verengung der Hauptschlagaderklappe und tritt insbesondere bei älteren Patienten auf. Sobald hier Symptome wie Luftnot, Druckgefühl auf der Brust oder Schwindel bzw. Ohnmachtsanfälle auftreten, ist ein Ersatz der Klappe notwendig. Gerade bei Patienten in höherem Lebensalter und mit Begleiterkrankungen stellt der herkömmliche, chirurgisch-operative Klappenersatz mit Eröffnung des Brustkorbs, Herzstillstand und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine allerdings ein hohes Risiko dar.

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Was ist die Alternative zum chirurgischen Aortenklappenersatz?

Die Implantation einer Aortenklappe mittels Kathetertechnik (TAVI: transcatheter aortic valve implantation) und ohne Eröffnung des Brustkorbs sowie ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine hat seit ihrer ersten Anwendung im Jahre 2002 in Frankreich die Behandlung von Patienten mit Aortenklappenstenose revolutioniert. Seitdem wurden verschiedene Trankatheterklappensysteme weiterentwickelt und finden in unserem Zentrum individuell auf jede Anatomie angepasst Anwendung. 

Eckpunkte

  • Hoch-moderner Hybrideingriffsraum
  • Minimale Invasivität
  • Dämmerschlaf

Welcher Patient ist geeignet?

TAVI ist „Standard of Care“ für inoperable Patienten mit symptomatischer Aortenklappenstenose und ist eine Alternative für operable Patienten mit hohem OP-Risiko und mittlerweile auch intermediärem Risiko, grundsätzlich aber bei Patienten älter als 75 Jahre.

Mögliche Zugangswege für die TAVI sind über die Leistenarterie (transfemoraler Zugang), die Schlüsselbeinarterie (transsubclavialer Zugang) und die Herzspitze (transapikaler Zugang), über welche die Aortenklappenprothese vorgebracht werden kann. Das für den Patienten schonendste Vorgehen stellt der transfemorale Zugang dar.

Welche Voruntersuchungen sind nötig?

Die Voruntersuchungen für die TAVI werden unter Einbeziehung von Vorbefunden aus von Ihren behandelnden Ärzten und Krankenhäusern über unsere Aortenklappen-Sprechstunde und das kardiologische Case-Management koordiniert und entweder ambulant oder stationär durchgeführt. Neben einer eingehenden kardialen Diagnostik (transthorakale und transösophageale Ultraschalluntersuchung des Herzens, Herzkatheteruntersuchung, Computertomographie des Herzens und der Gefäße), ist eine Umfelddiagnostik notwendig (u.a. angiologische Untersuchung, Lungenfunktionsdiagnostik).

Welche Voruntersuchungen sind nötig?

Die Voruntersuchungen für die TAVI werden unter Einbeziehung von Vorbefunden aus von Ihren behandelnden Ärzten und Krankenhäusern über unsere Aortenklappen-Sprechstunde und das kardiologische Case-Management koordiniert und entweder ambulant oder stationär durchgeführt (siehe Schema unten). Neben einer eingehenden kardialen Diagnostik (transthorakale und transösophageale Ultraschalluntersuchung des Herzens, Herzkatheteruntersuchung, Computertomographie des Herzens und der Gefäße), ist eine Umfelddiagnostik notwendig (u.a. angiologische Untersuchung, Lungenfunktionsdiagnostik).

Wie erfolgt die individualisierte Therapieplanung?

In einer speziellen Besprechung mit den verantwortlichen Teammitgliedern der Klinik für Kardiologie wird anhand der vorliegenden Befunde ein „maßgeschneidertes“ Therapiekonzept für jeden Patienten entwickelt. Die Auswertung der bildgebenden Verfahren erfolgt dabei direkt durch die Implanteure des TAVI-Teams unter Zuhilfenahme modernster Bildanalyse-Software. Dabei werden nicht nur die generelle technische Machbarkeit der Verfahren geprüft, sondern auch spezifische Maßnahmen für den individuellen Fall festgelegt.

In der interdisziplinären Herz-Team-Konferenz am Folgetag, bei der sowohl Kardiologen, Herz-Thorax-Chirurgen und Narkoseärzte anwesend sind, werden die erhobenen Befunde nochmals gemeinsam diskutiert, so dass dem Patienten im Anschluss ein individuell erstelltes Behandlungskonzept vorgeschlagen werden kann.

Welche Prothesen stehen für die TAVI zur Verfügung?

Bei einer transfemoralen Aortenklappenimplantation bieten wir mit der ballonexpandierbaren Prothese der Firma Edwards Lifesciences und mit der selbstexpandierbaren Prothese der Firma Medtronic die beiden am besten untersuchten Prothesen an. Welcher dieser beiden Klappentypen für welchen Patienten am besten geeignet ist, richtet sich nach den Dimensionen des Aortenklappenringes, des Abstandes der Aortenklappenebene zu den Abgängen der Herzkranzgefäße, des Ausmaßes von Verkalkungen sowie der Beschaffenheit der Zugangswege und wird individuell entschieden.

Wie erfolgt der Eingriff?

Der TAVI Eingriff erfolgt in einem hoch-modernen Hybrideingriffsraum mit voller Funktionalität eines Herzkatheterlabors und eines klassischen Operationssaals.

Wir favorisieren aufgrund seiner Sicherheit und minimalen Invasivität den Zugangsweg über die Leistengefäße (transfemoraler Zugang). Hierbei ist keine Vollnarkose notwendig, es erfolgt lediglich ein Dämmerschlaf, die sog. Kardioanalgosedierung. Bei diesem Dämmerschlaf kann fast gänzlich auf ein invasives Monitoring und die endotracheale Intubation verzichtet werden kann. Der Patienten wird lediglich mit einer invasiven Blutdruckmessung durch Punktion der Arteria radialis (am Handgelenk) und mit einer kleinen Schleuse in der Leistenvene zur zentralvenösen Medikamentengabe versorgt.

Im Rahmen des TAVI Eingriffs wird die verkalkte Aortenklappe zunächst mit einem Ballonkatheter aufgeweitet und vorgedehnt („Sprengung“ der Aortenklappe), um die spätere Passage der Prothese zu erleichtern. Die Klappenprothese wird dann anschließend unter Durchleuchtungskontrolle mit Kontrastmittelgabe am schlagenden Herzen in die verkalkte Aortenklappe vorgeschoben und dort nach exakter Positionierung durch Aufdehnung eines Ballons (sog. ballonexpandierbare Prothese) oder Rückziehen einer Schutzhülse (sog. selbstexpandierbare Prothese) entfaltet und freigesetzt. Das Herz wird dabei mit einem Schrittmacher so schnell stimuliert, dass die Klappenprothese bei der Entfaltung nicht durch den Blutstrom bewegt wird. Im Anschluss wird der Katheter wieder entfernt und die Einstichstelle mit einem speziellen Nahtsystem verschlossen.

Bei Patienten mit sehr starker Verkalkung der Aortenklappe oder beginnenden Gerinnselbildungen im Herzen haben wir in ausgewählten Fällen die Möglichkeit durch die passagere Einlage eines Schutzsystems den Patienten vor Schlaganfällen zu schützen. Hierbei wird ein Filtersystem in den Aortenbogen eingebracht und für die Dauer der Aortenklappenimplanation vor dem Abgang der Kopf-Halsgefäße positioniert. Nach dem Eingriff wird das System wieder entfernt..

Für Patienten, die an schweren Verengungen der Leistengefäße leiden, bietet der Zugang über die Schlüsselbeinarterie oder über einen kleinen Schnitt unterhalb der linken Brustwarze, der sog. „transapikale Zugangsweg“, eine alternative Möglichkeit. Bei diesen Zugängen ist jedoch eine Vollnarkose notwendig.

Wie erfolgt die stationäre Weiterbetreuung nach dem Eingriff?

Die Patienten werden nach dem Eingriff für 24 Stunden auf unserer Überwachungsstation (IMC-Station) überwacht und anschließend auf eine unserer kardiologischen Stationen verlegt und bis zur Entlassung weiter betreut. Neben einer frühen Mobilisierung durch unsere Physiotherapeuten erfolgt eine telemetrische Überwachung des Herzrhythmus; zudem werden Kontrollen der Laborparameter und eine Ultraschallkontrolle der Herzklappenprothese durchgeführt. Generell wird von uns auch eine Anschlussheilbehandlung angeboten und diese bei Zustimmung des Patienten durch unseren Sozialdienst angemeldet. Die Patienten können in der Regel bereits nach wenigen Tagen aus der Klinik entlassen werden, da sie – anders als nach einer großen Herzoperation – sehr schnell wieder erholt sind.

Erfolgt eine ambulante Nachsorge?

Nach 3 Monaten sollte eine ambulante Kontrolle in unserer Aortenklappen-Sprechstunde durchgeführt werden. Im Rahmen dieser Kontrolle erfolgt neben einer klinischen und laborchemischen Untersuchung ein transthorakaler Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) zur Überprüfung der Funktion des Klappenersatzes. Sollten sich hier Auffälligkeiten zeigen oder eine Optimierung der medikamentösen Therapie ratsam sein, erfolgt diesbezüglich eine enge Rücksprache mit Ihrem Hausarzt.

Das Team

Dr. med.
Alexander Lind

PD Dr. med.
Alexander Jánosi, MHBA

Univ.-Prof. Dr. med.
Matthias Totzeck

PD Dr. med.
Fadi Al-Rashid