Der Klinikbereich

Das Westdeutsche Herz- und Gefäßzentrum ist ein zertifiziertes, überregionales Kompetenzzentrum für Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie sowie ihrer kardiovaskulären Folgeerkrankungen. Wir betreuen Patienten mit neu diagnostiziertem Bluthochdruck ebenso wie mit komplexen oder therapieresistenten Verläufen.Unser erfahrenes Team begleitet strukturiert von der initialen Abklärung über Ursachenanalyse bis zur langfristigen Therapieoptimierung. Neben effektiver Blutdruckkontrolle steht der Schutz von Herz, Gefäßen, Nieren und Gehirn sowie die Prävention kardiovaskulärer Ereignisse im Fokus.Die Versorgung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team aus Kardiologie, Gefäßmedizin, Nephrologie und weiteren Fachdisziplinen. Durch enge Zusammenarbeit und strukturierte Verlaufskontrollen gewährleisten wir Betreuung auf höchstem universitätsmedizinischem Niveau.

Spezialambulanz für Bluthochdruck

Schwerpunkte:

  • Fibromuskuläre Dysplasie (FMD)
  • Arteriosklerotisch bedingte Nierenarterienstenosen
  • Schwer einstellbare/therapieresistente Hypertonie

Zertifiziertes Zentrum für renale Denervation

Als zertifiziertes Zentrum sind wir hochspezialisiert auf die Behandlung von schwer einstellbarem Bluthochdruck, der sogenannten therapieresistenter Hypertonie. Nach strenger, strukturierter Indikationsprüfung führen unsere erfahrenen Experten die renale Denervation als kathetergestütztes, minimalinvasives Verfahren über einen Leistenzugang durch.

Ziel des Eingriffs ist die nachhaltige Senkung des Blutdrucks durch gezielte Unterbrechung der sympathischen Nervenfasern an den Nierenarterien. Bei komplexem Bluthochdruck sind diese Nerven oft überaktiv und zwingen die Nieren, vermehrt Salz und Wasser zurückzuhalten. Durch die Ausschaltung dieser Fehlsignale reguliert sich das Volumen- und Druckverhältnis im Körper dauerhaft.

Unsere zertifizierte Qualität sichert nicht nur den operativen Standard, sondern auch die strukturierte Nachsorge. Wir überwachen den langfristigen Therapieerfolg, passen die Begleitmedikation präzise an und garantieren Zuweisern effiziente Abläufe sowie transparente Kommunikation auf höchstem medizinischem Niveau.

Was ist eine therapieresistente Hypertonie?

Von „resistenter Hypertonie“ sprechen die ärztlichen Leitlinien, wenn der Blutdruck trotz gesunder Lebensweise und der Einnahme von mindestens drei verschiedenen Blutdruckmedikamenten dauerhaft über 140/90 mmHg liegt. Dies ist keine eigene Erkrankung, aber ein wichtiges Warnsignal. Es bedeutet ein erhöhtes Risiko für Schäden an Herz und Nieren und kann auf eine versteckte, andere Erkrankung hindeuten (sekundäre Hypertonie). Patienten mit resistentem Bluthochdruck sollten daher in spezialisierten Zentren wie unserem untersucht werden.

Was versteht man unter sekundärer Hypertonie?

Als „sekundär“ bezeichnen wir einen Bluthochdruck, wenn er durch eine andere, ganz konkrete Erkrankung im Körper ausgelöst wird. Das können sein:

  • Hormonelle Erkrankungen: z.B. Überproduktion von Aldosteron (Morbus Conn) oder Cortisol (Cushing).
  • Nierenerkrankungen: z.B. eine eingeschränkte Nierenfunktion.
  • Gefäßerkrankungen: z.B. Verengungen der Nierenarterien oder der Hauptschlagader.

Das Gute: Viele dieser Ursachen lassen sich gezielt behandeln – durch spezielle Medikamente oder einen kleinen Eingriff. Wenn wir einen Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie haben, suchen wir mit speziellen Bluttests und Ultraschall gezielt nach diesen Auslösern. Bei Diagnostik und Behandlung arbeiten wir eng mit den entsprechenden Spezialisten in unserem Haus zusammen.

Welche Organe sind durch Bluthochdruck besonders gefährdet?

Bluthochdruck tut nicht weh, kann aber auf Dauer wichtige Organe schädigen. Man unterscheidet zwischen noch unbemerkten (subklinischen) und bereits spürbaren (klinischen) Schäden. Besonders betroffen sind Herz, Blutgefäße, Nieren, Gehirn und Augen.

Je nach Situation prüfen wir gezielt auf frühe Warnsignale:

  • Verdickung des Herzmuskels oder Herzrhythmusstörungen
  • Verkalkungen in den Blutgefäßen
  • Eiweiß im Urin als Zeichen einer Nierenbelastung
  • Kleine Gefäßveränderungen im Auge oder Gehirn

Das frühzeitige Erkennen solcher unbemerkten Schäden ist entscheidend. Es hilft uns, Ihre Therapie rechtzeitig anzupassen und schwere Folgen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern.

Wie funktioniert die renale Denervation (Katheterbehandlung)?

Wenn Medikamente nicht ausreichen, um den Blutdruck zu senken, bieten minimalinvasive Katheterverfahren eine moderne Alternative. Die am besten untersuchte Methode ist die renale Denervation, die auch von den europäischen Leitlinien empfohlen wird.

Das Ziel dieses Eingriffs ist es, das sogenannte „Stressnervensystem“ (Sympathikus) zu beruhigen. Bei Patienten mit Bluthochdruck ist dieses Nervensystem oft dauerhaft überaktiv, was den Blutdruck in die Höhe treibt. Bei der renalen Denervation werden die feinen Nervenfasern, die außen an den Nierenarterien entlanglaufen, durch Wärme oder Ultraschall sanft verödet.

So läuft der Eingriff ab:
  • Der Zugang: Ähnlich wie bei einer normalen Herzkatheteruntersuchung wird in der Leiste ein dünner Katheter in die Arterie eingeführt und bis zu den Nierengefäßen vorgeschoben.
  • Die Behandlung: Über den Katheter werden die Nervenfasern punktgenau behandelt. Meist geschieht dies an beiden Nieren.
  • Keine Implantate: Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, wird der Katheter komplett entfernt. Es bleiben keine Fremdkörper im Körper.
  • Schonend: Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung der Leiste und mit Schmerzmitteln über die Vene. Eine Vollnarkose ist nicht nötig.
Resistente Hypertonie

Von einer resistenten Hypertonie spricht man, wenn der Blutdruck trotz leitliniengerechter Therapie mit mindestens drei Blutdrucksenkern (inklusive eines Diuretikums) unzureichend kontrolliert ist. Diese Verlaufsform geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse und Nierenschäden einher. Häufig spielen dabei unentdeckte sekundäre Ursachen, Wechselwirkungen von Medikamenten oder eine unzureichende Therapieadhärenz eine Rolle.

In unserem Zentrum führen wir eine standardisierte Abklärung aller Differenzialdiagnosen durch – gestützt auf moderne Blutdruckdiagnostik, spezialisierte Laboranalytik und gezielte Bildgebung. Ein besonderer Fokus liegt auf die Diagnose und Behandlung renovaskulärer Ursachen. Auf Basis dieser präzisen Diagnostik entwickeln wir ein individuelles Therapiekonzept. Dieses umfasst die medikamentöse Optimierung, kathetergestützte Verfahren wie die renale Denervation.

Fibromuskuläre Dysplasie (FMD)

Die FMD ist eine nicht-atherosklerotische Gefäßerkrankung, die bevorzugt Nieren- und Halsarterien betrifft, prinzipiell aber in allen Arterien auftreten kann. Insbesondere bei jüngeren Patientinnen ist sie eine häufige Ursache für sekundäre Hypertonie. Typisch ist ein „Perlschnur“-Muster in der Bildgebung. Unbehandelt drohen therapieresistenter Bluthochdruck, Gefäßeinrisse (Dissektionen) oder Aneurysmen.

Die Diagnostik erfolgt an unserem Standort schonend und präzise mittels hochauflösender Duplexsonographie sowie CT- oder MR-Angiographie. Bei Bedarf ergänzen wir dies durch eine interventionelle Angiographie. Therapieentscheidungen treffen wir stets interdisziplinär im Team aus Angiologen und interventionellen Spezialisten. Neben der medikamentösen Einstellung bieten wir bei geeigneter Gefäßanatomie die Aufdehnung (Angioplastie) der verengten Gefäße an. Ziel ist eine dauerhafte Blutdruckkontrolle und der Schutz vor vaskulären Komplikationen.

Arteriosklerotisch bedingte Nierenarterienstenose

Mit zunehmendem Alter ist die arteriosklerotische Nierenarterienstenose eine häufige Ursache für gefäßbedingten Bluthochdruck, oft in Verbindung mit einer generalisierten Gefäßverkalkung. Die Folgen sind schwer einstellbarer Blutdruck, eine fortschreitende Verschlechterung der Nierenfunktion und wiederkehrende kardiale Dekompensationen. Eine frühe Diagnose ist entscheidend, um irreversible Organschäden zu verhindern.

Unser Zentrum bietet das komplette diagnostische Spektrum: von der Duplexsonographie der Nierenarterien über die CT- und MR-Angiographie bis zur funktionellen Beurteilung der Nierenperfusion. Die Entscheidung für eine interventionelle Therapie wird streng leitliniengerecht und im interdisziplinären Konsens getroffen. Neben der medikamentösen Optimierung führen wir bei geeigneten Patienten kathetergestützte Revaskularisationen (Stent-Implantationen) durch. Durch enge Verlaufskontrollen in Kooperation mit der Nephrologie sichern wir langfristig die Nierenfunktion und eine nachhaltige Blutdrucksenkung.

Unser Zentrum bietet ein umfassendes Spektrum modernster Diagnostik und Therapie für Patienten mit komplexen, schwer einstellbaren und gefäßbedingten Blutdruckerkrankungen.

Allgemeine Hypertensiologische Sprechstunde & Resistente Hypertonie

In unserer Spezialsprechstunde klären wir schwer einstellbare oder therapieresistente Hypertonie umfassend ab. Wir prüfen systematisch alle potenziellen Ursachen, bewerten mögliche Endorganschäden und entwickeln ein individuelles, leitliniengerechtes Behandlungskonzept. Besonderen Wert legen wir auf die Optimierung der Medikation und die Erfassung der Therapieadhärenz.

  • Moderne Diagnostik: Standardisierte 24-Stunden-Blutdruckmessung (inkl. Nacht- und Variabilitätsanalyse), zentrale Blutdruckmessung und Gefäßsteifigkeitsanalyse.
  • Ursachenforschung: Systematische Evaluation sekundärer Hypertonieursachen (endokrin, renal, vaskulär) sowie umfangreiche Labor- und Hormonanalytik (z. B. Renin-Aldosteron-System).
  • Therapieoptimierung: Anpassung der medikamentösen Therapie, validierte Adhärenzdiagnostik sowie fundierte Beratung zu Lebensstilmaßnahmen.
  • Interventionelle Evaluation: Strukturierte Prüfung der Indikation zur renalen Denervation.
  • Umfassende Betreuung: Interdisziplinäre Fallbesprechungen im Hypertonie-Board, Zweitmeinungssprechstunde sowie Einbindung digitaler Blutdruckmonitoring-Systeme und Gesundheits-Apps (DiGA).
Fibromuskuläre Dysplasie (FMD)

Als Spezialisten für nicht-atherosklerotische Gefäßerkrankungen bieten wir eine gezielte Diagnostik und Therapie der FMD. Das Ziel: eine nachhaltige Blutdruckkontrolle und die Prävention vaskulärer Komplikationen. Therapieentscheidungen treffen wir interdisziplinär zwischen Angiologie, Radiologie und Gefäßmedizin.

  • Spezialisierte Bildgebung: Hochauflösende Duplexsonographie der Nieren- und Halsarterien sowie CT- und MR-Angiographie.
  • Hämodynamische Beurteilung: Interventionelle Angiographie bei entsprechender Indikation.
  • Therapieverfahren: Indikationsstellung und Durchführung einer perkutanen transluminalen Angioplastie bei geeigneter Anatomie.
  • Risikomanagement: Differenzierte Risikoabschätzung (Dissektionen, Aneurysmen), Verlaufs- und Adhärenzkontrolle sowie humangenetische Beratung bei Verdacht auf familiäre Häufung.

Arteriosklerotisch bedingte Nierenarterienstenose

Patienten mit renovaskulärer Hypertonie erhalten bei uns eine fundierte Diagnostik zur Beurteilung der Nierenfunktion. Die Indikation zur interventionellen Therapie stellen wir differenziert und leitliniengerecht – um die Nierenfunktion langfristig zu stabilisieren und den Blutdruck dauerhaft zu senken.

  • Multimodale Diagnostik: Duplexsonographische Beurteilung (inkl. Flussprofilanalyse) sowie CT- und MR-Angiographie.
  • Funktionsbeurteilung: Präzise Einschätzung der Nierenperfusion und Nierenleistung.
  • Interventionelle Therapie: Kathetergestützte Angioplastie und Stentimplantation in interdisziplinärer Zusammenarbeit.
  • Langfristige Betreuung: Risikostratifizierung kardiovaskulärer Folgeerkrankungen, strukturierte Verlaufsbeobachtung und Optimierung der Begleitmedikation.
  • Wissenschaftliche Expertise: Zugang zu klinischen Studien und innovativen Therapieverfahren.

An der Behandlung unserer Patientinnen und Patienten sind mehrere Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fachrichtungen beteiligt. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der kooperierenden Kliniken und Institute sowie die jeweiligen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner an der Universitätsmedizin Essen:

Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, Neuroradiologie
Prof. Dr. med. Thomas Schlosser
Klinikdirektor: Univ.-Prof. Dr. med. Michael Forsting

Klinik für Infektiologie und Nephrologie
Dr. med. J. Reinold
Klinikdirektor: Univ.-Prof. Dr. med. Oliver Witzke

Klinik für Gefäßchirurgie, Endovaskuläre Chirurgie und Transplantationschirurgie
Sektionsleiter Gefäßchirurgie: Prof. Dr. med. Lainka

Klinikdirektor: Univ.-Prof. Dr. med. Ulf P. Neumann

Folgend Ihre Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:

Ramtin Knuschke

Dr. med.
Ramtin Knuschke

Leitung RDN-Zentrum, Hypertensiologie, Angiologie Poliklinik

Portraitaufnahme von Christos Rammos

Prof. Dr. med.
Christos Rammos, MHBA

Stellvertretender Direktor Bereichsleitung Angiologie

Anika Karpf

Anika Karpf

Ambulanzleitung Hypertensiologie

Afrim Abazi

Afrim Abazi

Stationsleitung Angiologie

Nachfolgend finden Sie die Sprechzeiten und Kontaktdaten unserer Ambulanzen für hypertensiologische Patient*innen:

Kontakt
Klinik für Kardiologie und Angiologie

Schwerpunkt Hypertensiologie und renovaskuläre Erkrankungen
Hufelandstraße 55
45147 Essen

Telefon: +49 201 723 2234
Fax: +49 201 723 5253

E-Mail: Kardio-Hypertonie@uk-essen.de

Klinik für Kardiologie und Angiologie
Westdeutsches Herz- und Gefäßzentrum

Schwerpunkt Kardiomyopathien und Herzinsuffizienz
Hufelandstraße 55
45147 Essen